Wirkungszusammenhang Kita-Planung

Die Kommunen sind in der Regel Träger der Bedarfsplanung für Kindertagesstätten. Für diese Fachplanungsebene werden im Projekt WEBWiKo spezielle Werkzeuge entwickelt, die die Planungsprozesse der kommunalen Träger unterstützen. Für die Region Bremen als Beispielraum des Projektes gelten die Vorgaben des Länder Niedersachsen und Bremen, die sich hinsichtlich des Konkretisierungsgrades unterscheiden. In Niedersachsen muss eine Planung für einen Zeitraum von 6 Jahren für die Einrichtungsarten Krippe, Kindergarten, Hort und kleine Kindertagesstätte vorgenommen werden, mit der der Bedarf an Betreuungsplätzen in den jeweiligen Einrichtungsarten abgeschätzt und das jeweilige Angebot als Grundlage kommunaler Beschlüsse festgelegt wird. Dabei ist nach Betreuungsumfang und nach Bedarf von Integrationsplätzen zu unterscheiden. Im ländlichen Raum wird explizit eine Kleinräumigkeit unterhalb der Gemeindeebene gefordert. Im Land Bremen müssen die Stadtgemeinden mit den Trägern eine jährlich fortzuschreibende Angebotsplanung vornehmen, die nicht weiter spezifiziert ist.

Die bisherige Bedarfsplanung findet in den meisten Kommunen durch eine Fortschreibung der Kinderzahlen statt. Dabei werden aber nur in den größeren Städten Daten aus einer Bevölkerungsprognose einbezogen, in kleineren und ländlichen Gemeinden und Regionen wird ausschließlich eine Fortschreibung der Alterskohorten aus den Bestandsdaten des Einwohnermeldewesens vorgenommen, wodurch die Wanderungsbewegungen außer Acht bleiben. Im WEBWiKo-Projekt werden die Kommunen bei der Bedarfsplanung unterstützt, indem die Kinderzahlen in den Kommunen für den Bedarfszeitraum mittels eines kleinräumigen Prognosemodells prognostiziert werden. Dazu werden die Kinderdaten der den Einrichtungsarten zugehörigen Altersgruppen zugeordnet. Die Kinderanzahl der entsprechenden Altersgruppen stellt damit die potenzielle Nachfrage nach Betreuungsplätzen dar. Da aber nicht alle Eltern ihre Kinder in eine Betreuungseinrichtung geben wollen, bestimmt die tatsächliche Nachfrage den realen Bedarf nach Betreuungsplätzen. Um diesen Bedarf zu decken, ist ein entsprechendes Versorgungsangebot an Betreuungsplätzen notwendig. Für die Planung ist insbesondere ein Überblick über den zeitlichen Verlauf hilfreich, da in der Regel der aktuelle Ist-Stand bzw. vergangene Stände ein wichtiger deskriptiver Ausgangspunkt der Planung sind. Der Kern der Planung ist der Vergleich von Nachfrage- bzw. Bedarfszahlen und den angebotenen Plätzen. Hierbei werden die angebotenen Betreuungsplätze nach Einrichtungsart in ein Verhältnis zu den vorhandenen Kindern in der Kommune gesetzt, bei den realen Kinderzahlen insgesamt als Versorgungsquote, bei den (angenommenen) nachfragenden Kindern als Bedarfsquote. Die Bedarfsquote wird dabei politisch gesetzt und je nach veränderter Höhe dieser Quote, sinkt oder steigt das notwendige Angebot an Einrichtungen, das zur Verfügung gestellt werden muss.

Da ja nach Einrichtungsart die Versorgungs- und Bedarfsquoten unterschiedlich ausfallen, müssen die Kinder nach Altersgruppen den jeweiligen Arten zugeordnet werden. Hierbei werden die Kinder als Nachfrage für die Krippen im Alter von 0 bis unter 3 Jahren (bzw. 1 bis unter 3 Jahren), für den Kindergarten von 3 bis unter 6 Jahren, für Hort und Schulgruppen in zwei Altersgruppen von 6 bis unter 10 Jahren und von 10 bis unter 14 Jahren definiert.

Die explizite Kleinräumigkeit der Planung wird durch die kleinräumliche Verschneidung der Nachfragedaten mit den Angebotsdaten der Einrichtungen unterstützt. Die bisherige Praxis ist eine Planung auf der räumlichen Ebene der gesamten Kommune, dort wird in der Regel die aktuelle Versorgung analysiert und die zukünftigen Bedarfsquoten festgelegt. Mit dem WEBWiKo-Projekt erhalten die Kita-Planer auch die Möglichkeit, unterhalb der Gemeindeebene Angebot und Nachfrage bzw. Bedarf gegenüberzustellen, wobei die große Herausforderung darin besteht, die räumliche Zuordnung zwischen Einrichtung und Wohnstandorten der Kinder vorzunehmen, da es anders als bei Schulen hier keine festen Einzugsbereiche gibt und diese auch nicht angestrebt werden. Dennoch ist die nahräumliche Versorgung zum Wohnstandort ein Planungsziel.

Grundlagen der Kita-Planung

In Bremen müssen die Stadtgemeinden in Zusammenarbeit mit den freien Trägern eine jährlich fortzuschreibende Angebotsplanung vornehmen, die nicht weiter spezifiziert wird (nach § 17 BremKTG). In Niedersachsen ist der gesetzlich vorgeschriebene Gegenstand der Kita-Planung genauer festgelegt (nach § 13 Nds. KiTaG):

  • Bedarf und Angebot von Betreuungsplätzen für folgende Einrichtungsart (Einrichtungen mit mindestens 20 wöchentliche Stunden-Betreuung): Krippe, Kindergarten, Hort, kleine Kindertagesstätte.
  • Es muss der Bedarf der Plätze für 6 Jahre ermittelt werden (mindestens), mit jährlicher Fortschreibung.
  • Zu differenzieren ist die Planung nach dem Betreuungsumfang (4h, 6h oder Ganztagesplatz) und nach Integrationsplätzen bzw. Plätzen für sonderpädagogischen Förderbedarf (nach SGB VIII/SGB XII).
  • Eine Feststellung des Bedarfs soll mit möglichst ortsnaher Versorgung (Soll-Ziel in Richtung Festlegung von Einzugsbereichen) erfolgen.
  • In Gemeinden, die aus mehreren geschlossenen Ortsteilen bestehen, ist die Planung für ihre jeweiligen Ortsteile auszulegen (explizite Kleinräumigkeit in den ländlichen Räumen).

Datengrundlagen

Die Daten über die Kinder als potenzielle Nachfrage speisen sich aus den aufbereiteten Daten des Einwohnermeldeamtes, die im Projekt WEBWiKo über die kleinräumige Dateninfrastruktur gewonnen werden. Dazu wird der Bevölkerungsstand in einem speziellen Datenwürfel aufbereitet, der eine speziell auf diesen Planungsfall angepasste Altersgruppierung (0-1, 1-3, 3-6. 6-10, 10-14, älter als 14) verwendet. Diese Kinderdaten werden als Bestandsdaten für die Betrachtung der vergangenen und aktuellen Entwicklung zur Verfügung gestellt. Für den Planungsprozess wurde in der Analysephase ermittelt, dass die weiteren Dimensionen Geschlecht und Nationalität von untergeordneter Bedeutung sind und daher hier nicht berücksichtigt werden. Diese Entscheidung wurde auch getroffen, um die Komplexität des planungsunterstützenden Werkzeugs zu reduzieren.

Die Daten zur zukünftigen potenziellen Nachfrage speisen sich aus der kleinräumigen Bevölkerungsprognose, die mittels eines eigenen Kohorten-Komponenten-Modells unter expliziter Berücksichtigung von innerregionalen Wanderungen in einer mittelfristigen Perspektive von mindestens 10 Jahren erstellt wird.

Die Daten über das Angebot an Betreuungsplätzen werden direkt bei den Kommunen als Träger der Kita-Planung erhoben und in der Regel jährlich aktualisiert. Generell wird die Anzahl von Gruppen und Plätzen einrichtungsbezogen mit folgenden Dimensionen erfasst:

  • Einrichtungsart (Krippe, Kindergarten, Hort/Schulgruppe, kleine Kindertagesstätte über 15h bzw. unter 15h), wobei bei altersübergreifenden Gruppen die Einrichtungsplätze nach grober Schätzung auf die jeweils betroffenen Arten aufgeteilt werden,
  • Gebiete (kleinräumige Gebiete und Raster),
  • Betreuungsumfang im Regeldienst (halbtags (bis zu 4h), dreivierteltags (über 4 bis 6h), ganztags (über 6h Betreuungszeit)),
  • Betreuungszeitraum (vormittags, nachmittags, ganztags).

Die letzten beiden Dimensionen werden nur bei Krippen- und Kindergarten-Gruppen erfasst. Bei den Angebotsdaten liegen nur die aktuellen Werte vor, in Zukunft werden damit aber auch zurückliegende Daten vorliegen, so dass der zeitliche Verlauf in die Vergangenheit analog zu den Nachfragedaten sichtbar wird.

Bei der Gegenüberstellung von Nachfrage- und Angebotsdaten besteht immer eine gewisse zeitliche Differenz bei den jeweiligen Datenerhebungen. Im WEBWiKo-Projekt werden die Nachfragedaten immer zum 31.12. des Vorjahres mit den Angebotsdaten des laufenden Jahres in Verbindung gesetzt. Eine Analyse mit Beispieldaten zeigte, dass nur sehr marginale Verzerrungen auftreten und mögliche Verzerrungen beispielsweise durch die Zuordnungen von Altersgruppen zu den Angebotsdaten erheblicher ins Gewicht fallen.

Kita-Dashboard

Screenshot Dashboard Kita

Das planungsunterstützende Werkzeug, das das WEBWiKo-Projekt den Kommunen für die Kita-Planung zur Verfügung stellt, ist ein spezialisiertes angepasstes Dashboard. Dieses Dashboard ermöglicht stets eine räumliche und eine zeitliche Visualisierung der Nachfrage- und Angebotsdaten. Die zeitliche Sicht beinhaltet sowohl die bisherige Entwicklung als auch den Blick nach vorn über die erstellten Bevölkerungsprognosen und die nach Einrichtungsart differenziert festgelegten Bedarfsquoten. Anders als das Demographie-Dashboard wird beim Kita-Dashboard ausschließlich der für die jeweilige Kommune zuständige Planungsraum angezeigt.
Die Planungsunterstützung durch das Dashboard erfolgt mittels kompakter zeitlicher und räumlicher Darstellung der Daten. Neben einem Überblick können die Nutzer für die drei wesentlichen Einrichtungsarten die planungsrelevanten Informationen anzeigen und analysieren. Das Bedienkonzept sieht eine einfache und intuitive Bedienung vor, welche bewusst auf komplexere Analysen verzichtet, damit die Handhabbarkeit und Akzeptanz bei den Kita-Planern erreicht wird.

Das kleinräumige Zuordnungsproblem von Angebot und Nachfrage wird dahingehend aufgelöst, dass die Kinderzahlen nach Altersgruppen als Nachfrage prinzipiell im Raster dargestellt werden und den punktbezogenen Angebotsdaten mit gleicher Darstellungsart als größenabhängiger Kreis und damit als absolute Werte angeboten werden.

Interaktiv wird das Dashboard, indem die verschiedenen Darstellungen in Karten, Diagrammen und Tabelle dynamisch miteinander verknüpft sind. Wenn z.B. in der Ansicht nach Einrichtungsart auf eine Altersgruppe im Diagramm geklickt wird, passen sich die räumliche und zeitliche Darstellung direkt an die gewählte Einrichtungsart an. Als zentrale Einstellungsmöglichkeit wählt der Nutzer eine Bedarfsquote aus, die für die Berechnungen des benötigten Angebots auf Grundlage der prognostizierten Nachfragedaten herangezogen wird. Auch räumliche Aggregationen sollen möglich werden, indem beispielsweise mehrere Gebiete in der Karte ausgewählt werden, deren Werte in den Diagrammen und der Tabelle zusammengeführt werden. Diese räumliche Aggregation ermöglicht eine individuelle kleinräumige Betrachtung, ohne feste Einzugsgebiete definieren zu müssen. Damit können Siedlungsbereiche zusammengefasst werden und die aggregierten Nachfragedaten auch den aggregierten Angebotsdaten der Einrichtungen (nach der zugehörigen Lage innerhalb des ausgewählten Gebietes) gegenübergestellt werden.

Kontakt

Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen e.V.
Delmegarten 9
27749 Delmenhorst

Benjamin Möller
Projektmanager
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  moeller@kommunalverbund.de

Laura Wette
Projektmitarbeiterin
  04221 98124-26
  wette@kommunalverbund.de